KLEVE. (Text & Fotos: STADT-IO) | Nach mehr als zwei Jahrzehnten verschwindet ein vertrauter Markenname aus der Klever Innenstadt: Aus Saturn in der Neuen Mitte wird MediaMarkt. Der Elektronikmarkt bleibt damit am Standort erhalten – bekommt aber einen neuen Auftritt. Vielleicht ist genau dieser Wechsel auch eine Chance, der Neuen Mitte wieder etwas frischen Wind zu verleihen.
Wer seit vielen Jahren durch die Klever Innenstadt geht, dürfte die Neue Mitte kaum ohne den Namen Saturn kennen. Als das Einkaufszentrum zwischen Stechbahn und Hagscher Straße im Oktober 2003 eröffnet wurde, gehörte der Elektronikmarkt zu den prägenden Mietern des neuen Komplexes. Bis heute zählt Saturn zu den wichtigen Ankermietern der Neuen Mitte.
Nun verschwindet nach fast 23 Jahren zumindest der bekannte Schriftzug. Der Klever Saturn wird künftig unter der Marke MediaMarkt weitergeführt. Damit erreicht Kleve eine Entwicklung, die bundesweit bereits seit einiger Zeit zu beobachten ist: Zahlreiche Saturn-Standorte wurden in den vergangenen Monaten und Jahren zu MediaMärkten umgewandelt, weitere folgen.

Der Markenwechsel ist Teil der schrittweisen Neuordnung innerhalb von MediaMarktSaturn. Für die Kunden bedeutet dies zunächst vor allem einen neuen Namen und einen veränderten Außenauftritt.
Was ändert sich für die Kunden?
Ob mit dem neuen Namen auch größere Veränderungen innerhalb des Klever Marktes verbunden sein werden, ist bislang nicht bekannt. Denkbar wären Veränderungen bei der Warenpräsentation, eine andere Aufteilung der Verkaufsfläche oder eine stärkere Positionierung einzelner Produkt- und Servicebereiche. Konkrete Informationen hierzu liegen derzeit jedoch nicht vor.
Ein grundsätzlich völlig anderes Sortiment wäre allein wegen des Markenwechsels ohnehin nicht zwingend zu erwarten. MediaMarkt und Saturn arbeiten innerhalb der gemeinsamen Unternehmensstruktur bereits seit Jahren eng zusammen und greifen in vielen Bereichen auf gemeinsame Sortimente, Services und Strukturen zurück.
Interessanter dürfte daher sein, wie der Klever Standort künftig präsentiert wird – und ob die Umstellung genutzt wird, um nicht nur Schilder auszutauschen, sondern auch innerhalb und außerhalb des Marktes einen sichtbar neuen Akzent zu setzen.
Denn gerade ein großer Ankermieter erfüllt in einer Innenstadt mehr als nur die Funktion einer Verkaufsstelle. Er sorgt für Frequenz, bringt Menschen in einen Teil der Fußgängerzone und kann im besten Fall auch benachbarte Geschäfte, Dienstleistungen und gastronomische Angebote stärken.
Ein kleiner Fun Fact zeigt: Ein Rebranding kann tatsächlich nicht schaden
Dass an der Neuen Mitte zumindest optisch etwas frischer Wind durchaus willkommen wäre, zeigt ein Blick auf die Außenfassade zur Stechbahn.

Dort hängt noch immer Werbung mit dem Schriftzug „Die neueste Technik bei uns sofort mitnehmen!“. Zu sehen ist darauf unter anderem ein HTC One.
Das Smartphone war tatsächlich einmal neueste Technik. Allerdings wurde das HTC One bereits im Februar 2013 vorgestellt und kam kurze Zeit später auf den Markt.
Damit wirbt die Fassade im Jahr 2026 mit einem Smartphone, das inzwischen mehr als 13 Jahre alt ist.
Vielleicht ist das der charmanteste Beleg dafür, dass ein Rebranding an dieser Stelle tatsächlich nicht ganz unangebracht ist.
Mehr als nur ein neuer Schriftzug
Für die Klever Innenstadt wäre zu wünschen, dass der Wechsel von Saturn zu MediaMarkt deshalb nicht bei einer neuen Beschilderung endet. Die Neue Mitte besitzt durch ihre Lage weiterhin eine besondere Bedeutung: Sie verbindet Stechbahn, Hagsche Straße und weitere Bereiche der Innenstadt miteinander und kann damit eine wichtige Funktion für Besucherströme übernehmen.
Gerade solche Immobilien können einen Mehrwert schaffen, wenn sie nicht ausschließlich als Ansammlung einzelner Ladenlokale verstanden werden. Eine Innenstadt funktioniert schließlich immer weniger allein nach dem Prinzip, hineinzugehen, etwas zu kaufen und anschließend wieder nach Hause zu fahren.
Sie muss zugleich Treffpunkt, Aufenthaltsort und Erlebnisraum sein. Einzelhandel gehört dazu – aber ebenso Dienstleistungen, Freizeitangebote, Kultur und Gastronomie. Je mehr unterschiedliche Gründe es gibt, die Innenstadt aufzusuchen, desto größer ist die Chance, dass Menschen länger bleiben, verschiedene Angebote miteinander verbinden und die Stadt als gemeinsamen Ort erleben.
Der künftige MediaMarkt kann dabei weiterhin ein wichtiger Frequenzbringer für die Neue Mitte bleiben. Entscheidend wird jedoch auch sein, was zusätzlich rundherum entsteht.
Und genau dort könnte sich schon bald noch etwas tun.
Auch ein langjähriger Leerstand könnte verschwinden
Denn nach Informationen, die uns vorliegen, soll ein bereits seit längerer Zeit leerstehendes Objekt in der Neuen Mitte voraussichtlich wieder mit Leben gefüllt werden.
Dabei soll es ausdrücklich weder um klassischen Einzelhandel noch um Gastronomie gehen. Stattdessen zeichnet sich ein völlig neues, eher freizeitlich ausgerichtetes Angebot ab.
Noch sind nicht alle Einzelheiten öffentlich – deshalb an dieser Stelle zunächst nur so viel.
Sollte das Vorhaben wie geplant umgesetzt werden, wäre es aber genau jene Form von Ergänzung, die Innenstädte heute benötigen können: ein zusätzlicher Anlass, in die Stadt zu kommen, ohne dass dafür zwingend eine Einkaufstasche das Ziel sein muss.
Vielleicht ergeben sich damit ausgerechnet in der Neuen Mitte gleich zwei Möglichkeiten für einen Neustart: Aus Saturn wird MediaMarkt – und an anderer Stelle könnte ein langjähriger Leerstand durch ein vollkommen neues Angebot ersetzt werden.
Für die Klever Innenstadt wäre beides zunächst eine gute Nachricht. Denn eine lebendige Innenstadt entsteht nicht durch einen einzelnen Händler, ein einzelnes Gebäude oder ein einzelnes Konzept. Sie entsteht dort, wo Einkaufen, Erledigen, Freizeit und Begegnung zusammenkommen – und Menschen einen Grund haben, nicht nur in die Innenstadt zu fahren, sondern dort auch gerne etwas länger zu bleiben.




