Samstag, Januar 17, 2026
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JYSK Kleve – vom Tönnissen-Center in die Peripherie

KLEVE. Der dänische Einrichtungshändler JYSK plant in Kleve einen neuen Standort. Am Klever Ring, in unmittelbarer Nähe zum Hagebaumarkt Swertz, der Jet-Tankstelle und dem Schnellrestaurant KFC, entsteht ein Neubau. Bauherr ist der Investor Daniel Hendricks, der das Objekt nach derzeitigen Informationen an den Filialisten vermieten wird.

Grundsätzlich ist eine moderne, vergrößerte Verkaufsfläche zunächst positiv zu bewerten. Sie stärkt die Versorgungssituation in Kleve und richtet sich zugleich an Kundinnen und Kunden aus den umliegenden Kommunen. Neue Gebäude, zeitgemäße Flächenzuschnitte und eine gute verkehrliche Erreichbarkeit entsprechen den Anforderungen großer Handelsketten – und sichern Arbeitsplätze sowie Kaufkraftbindung in der Region.

Bei genauerem Blick handelt es sich jedoch nicht um eine echte Neuansiedlung, sondern wohl um eine Umsiedlung. JYSK ist bereits heute am Tönnissen-Center in der Oberstadt, an der Grenze zu Materborn, vertreten. Mit dem geplanten Neubau wird der bestehende Standort mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgegeben. Ob die freiwerdende Fläche zeitnah nachvermietet werden kann, ist derzeit offen – eine Unsicherheit, die für die betroffene Lage nicht ohne Bedeutung ist.

Stadtentwicklungspolitisch wirft das Vorhaben daher Fragen auf. Die weitere Verlagerung großflächigen Einzelhandels an die Peripherie schwächt tendenziell zentrale und innenstadtnahe Standorte. Während der neue Standort vom automobilen Individualverkehr profitiert, verlieren klassische Innenstadtlagen und kleinere, zentrumsähnliche Handelsparks an Attraktivität. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass der Verkehr in einem zunehmend „gewerberingähnlichen“ Ansiedlungsmuster rund um Kleve weiter zunimmt.

Aus Sicht der Innenstadtentwicklung ist diese Entwicklung kritisch zu bewerten. Wenn bestehende Handelsstandorte aufgegeben werden und sich Einzelhandel immer stärker zersiedelt präsentiert, verliert das Stadtzentrum nicht nur Frequenz, sondern auch seine Funktion als zusammenhängender Versorgungs- und Begegnungsraum. Der Neubau von JYSK steht damit exemplarisch für einen Zielkonflikt zwischen moderner Handelslogik und den Herausforderungen einer lebendigen, funktionierenden Innenstadt.

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