KLEVE./DEUTSCHLAND. (Foto (KI/ChatGPT) & Text: STADT-IO) | Die Lage beim auch in Kleve ansässigen Kaufhaus-Konzern bleibt angespannt. Noch wird wohl verhandelt, noch gibt es wohl Hoffnungen auf frisches Geld, noch ist wohl nichts endgültig entschieden. Und ausdrücklich: Es geht nicht darum, den Kaufhaus-Konzern schlechtzureden oder die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kleinzumachen. Im Gegenteil. Gerade die Menschen auf der Fläche, an der Kasse, in der Beratung, in Warenannahme, Warenpräsentation, Verwaltung und Leitung haben in den vergangenen Jahren mehrfach bewiesen, wie viel Loyalität und Durchhaltevermögen sie mitbringen.
Aber genau deshalb muss man auch einen unbequemen Punkt aussprechen: Eine mögliche weitere Insolvenz wäre nicht einfach nur „noch eine Insolvenz“. Nach mehreren Verfahren seit 2020 könnte insbesondere die Frage des Insolvenzgeldes heikel werden. Denn bei Folgeinsolvenzen ist nicht automatisch sicher, dass erneut Insolvenzgeld fließt. Entscheidend kann sein, ob die vorherige Zahlungsunfähigkeit tatsächlich zwischenzeitlich beseitigt war. Wenn darüber rechtlich gestritten wird, kann ausgerechnet für die Beschäftigten eine gefährliche Unsicherheit entstehen.
Das ist der Punkt, an dem aus Solidarität irgendwann auch vertane Liebesmühe werden kann. Nicht, weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht loyal genug wären. Sondern weil Loyalität allein keine Miete zahlt, keine Familie absichert und kein neues Monatsgehalt garantiert.
Man darf deshalb nüchtern sagen: Wer beim Kaufhaus-Konzern arbeitet, gut ausgebildet ist, Verantwortung trägt, Kundenkontakt kann, Sortimente versteht, Warenwirtschaft kennt oder über Jahre gelernt hat, wie Handel im Alltag wirklich funktioniert, sollte den eigenen Wert auf dem Arbeitsmarkt nicht unterschätzen. Der Einzelhandel, lokale Händler, Fachgeschäfte, Filialisten, Dienstleister, Logistik, Einkauf, Verwaltung und Beratung suchen vielerorts Menschen mit genau dieser Erfahrung.
Das bedeutet nicht, dass man panisch kündigen oder dem Arbeitgeber den Rücken kehren muss. Es bedeutet aber: Motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfen sich bereits jetzt initiativ umschauen, Gespräche führen, Optionen prüfen und ihre Expertise sichtbar machen. Nicht als Illoyalität gegenüber einem Kaufhaus-Konzern, sondern als Verantwortung gegenüber sich selbst.
Denn irgendwann endet auch die erwartbare Solidarität. Spätestens dann, wenn Beschäftigte erneut gebeten werden, zu hoffen, zu warten und durchzuhalten – während rechtlich nicht einmal sicher ist, ob im Ernstfall die bekannte soziale Absicherung tatsächlich greift.
Ein Kaufhaus-Konzern mag vielleicht noch einmal Zeit gewinnen. Vielleicht gelingt eine Finanzierung. Vielleicht gibt es tragfähige Lösungen für einzelne Standorte. Aber für die Beschäftigten sollte die entscheidende Frage lauten: Was ist mein Plan B?
Gerade gute Handelsmitarbeiterinnen und Handelsmitarbeiter sind mehr wert als die nächste Krisenmeldung. Wer über Jahre in einem Warenhaus gearbeitet hat, bringt Erfahrung mit, die viele Unternehmen nicht erst mühsam aufbauen müssen. Beratung, Kundenbindung, Warenkenntnis, Belastbarkeit, Organisation und ein Gefühl für Fläche und Frequenz sind Fähigkeiten, die im Handel selten geworden sind.
Deshalb wäre es falsch, die Belegschaft nur als Opfer einer Konzernkrise zu sehen. Viele von ihnen könnten für andere Arbeitgeber genau das sein, was dort dringend fehlt: erfahrene, motivierte und sofort einsetzbare Menschen mit Handelskompetenz.
Vielleicht ist der klügste Schritt deshalb nicht der lauteste. Sondern der frühzeitige: Lebenslauf aktualisieren, Kontakte nutzen, Initiativbewerbungen schreiben, mit regionalen Händlern sprechen und den eigenen Marktwert kennen. Nicht gegen den alt eingesessenen Kaufhaus-Konzern. Sondern für die eigene Sicherheit.




