Dienstag, April 14, 2026
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Konzerne kooperieren – die Kleinen leben regionalen Protektionismus

Kommentar von Sebastian Wessels* | KLEVE./DEUTSCHLAND. | Wenn selbst große Handelskonzerne alte Trennlinien aufgeben und im verschärften Wettbewerb neue Allianzen eingehen, sollte das auch dem kleinteiligen, inhabergeführten Handel zu denken geben. Die Kooperation von Decathlon mit Media-Markt-Saturn zeigt, wie konsequent große Marktteilnehmer auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren: Flächen werden gemeinsam genutzt, Sortimente sinnvoll verknüpft, Reichweiten gebündelt. Was vor Jahren noch kaum vorstellbar gewesen wäre, wird heute als strategische Antwort auf Druck, Frequenzverluste und wachsenden Wettbewerbsdruck praktiziert.

Gerade darin liegt eine Botschaft, die auch für die Innenstadt von z.B. Kleve relevant ist. Zwar ist nicht anzunehmen, dass vergleichbare Modelle kurzfristig in einer Kleinstadt wie Kleve umgesetzt werden. Doch die Entwicklung in Metropolen wie München oder Berlin markiert eine Richtung: Handel denkt zunehmend in Allianzen, nicht mehr nur in abgegrenzten Einzelinteressen. Das erhöht auch an kleineren Standorten den Druck auf bestehende Anbieter und Strukturen.

Für Kleve ist das deshalb von Bedeutung, weil mit dem Saturn in der Neuen Mitte bereits ein Anker vorhanden ist, an dem sich veränderte Handelskonzepte zumindest gedanklich festmachen lassen. Perspektivisch geraten dadurch nicht nur größere Häuser wie Galeria stärker unter Zugzwang, da Anbieter in die Fläche drängen, die mit einem eigenen Sore nicht präsent geworden wäre, sondern auch die wenigen verbliebenen Sportanbieter vor Ort – etwa Intersport am EOC oder spezialisierte Geschäfte wie Sport Köppel. Weitere relevante Anbieter gibt es kaum noch.

Umso bemerkenswerter ist, dass große Ketten längst bereit sind, frühere Abgrenzungen zu überwinden, während im inhabergeführten Handel häufig noch regionaler Protektionismus dominiert. Gerade kleinere Geschäfte handeln vielerorts weiter aus einer engen Einzelperspektive heraus, lassen Konkurrenz nebeneinander bestehen und verzichten auf verknüpfende Maßnahmen, die ihre Position gemeinsam stärken könnten. Am Ende stehen sie einem wachsenden Wettbewerbsdruck oft allein gegenüber – und haben ihm dann nur noch wenig entgegenzusetzen.

Für die Klever Innenstadt ergibt sich daraus eine klare Lehre: Auch im stationären, inhabergeführten Handel sollte gemeinsames Denken nicht länger ausgeschlossen werden. Wer im Wettbewerb bestehen will, wird Angebote, Sichtbarkeit, Frequenz und Sortimente stärker zusammendenken müssen – bevor andere es tun und damit Fakten schaffen.

Lösungsmöglichkeit: der regionale Online-Marktplatz „Laden-Lokal.Shop„, für den ich seit 2008 förmlich brenne, soll Einzelhändler verbinden und die großen Potentiale der vielen Kleinen zu einem sehr Großen bündeln. Es scheitert wie so oft … an nahezu jedem Einzelnen, der sein Einzelinteresse voranstellt ;)!

* Ein Kommentar ist eine journalistische Meinungsform, die ein Thema nicht nur beschreibt, sondern bewusst einordnet und bewertet. Anders als die reine Nachricht ist er nicht neutral, sondern von einer klar erkennbaren Haltung getragen. Er will Entwicklungen verständlich machen, Zusammenhänge zuspitzen und aus Fakten eine begründete Schlussfolgerung ziehen. Dabei ist er stets auch subjektiv geprägt, weil Sichtweise, Bewertung und Gewichtung des Kommentators mit einfließen. Sein Ziel ist es, Orientierung zu geben, Debatten anzustoßen und Zustimmung ebenso wie Widerspruch herauszufordern.

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