Gastronomie als weiterer Frequenzbringer
KLEVE. (Text & Fotos (optimiert durch KI*): STADT-IO). | An der Ecke Wasserstraße/Gasthausstraße tut sich wieder etwas. Hinter den derzeit noch mit Papier verkleideten Fenstern des ehemaligen Ladenlokals von Ulla Popken laufen die Umbauarbeiten weiter. Aus der früheren Einzelhandelsfläche soll ein neues vietnamesisches Restaurant entstehen – und damit ein weiterer gastronomischer Anziehungspunkt in der Klever Innenstadt.
Nach Angaben des Immobilien-Besitzers konnte als neuer Mieter der Betreiber einer vietnamesischen Restaurantkette gewonnen werden, die bereits 18 weitere Standorte betreibt. Nachdem die Arbeiten zwischenzeitlich weitgehend ruhten, wurde der Umbau inzwischen wieder aufgenommen. Mit einer Eröffnung dürfte nach aktuellem Stand im ersten Quartal 2027 zu rechnen sein, möglicherweise auch etwas früher. Der neue Betreiber soll umfangreich in den Standort investieren und ein modernes gastronomisches Konzept umsetzen.
Eine Chance auch für die Gasthausstraße
Besonders interessant könnte sich die Entwicklung dabei auch für die Gasthausstraße selbst auswirken. Im gesamten Innenstadtgefüge liegt sie bislang eher etwas „versteckt“ und wird gegenüber den stärker frequentierten Einkaufsachsen häufig weniger wahrgenommen.
Ein neuer gastronomischer Anziehungspunkt unmittelbar an der Ecke zur Wasserstraße könnte dazu beitragen, diesen Bereich stärker in den Blick zu rücken und zusätzliche Besucher in die Gasthausstraße hineinzuziehen.
Gerade darin könnte eine besondere Chance liegen. Die Gasthausstraße besitzt mit ihrer kleinteiligen Struktur, den unterschiedlichen Fassaden und ihrem etwas zurückgezogenen Charakter durchaus den Charme eines kleinen innerstädtischen Kleinods. Mehr Frequenz und Aufmerksamkeit könnten helfen, diesen Charakter stärker sichtbar zu machen und der Straße innerhalb der Klever Innenstadt künftig die Wahrnehmung zu verschaffen, die sie durchaus verdient.
Vom Einzelhandel zur Gastronomie
Dass ausgerechnet eine ehemalige Einzelhandelsfläche künftig gastronomisch genutzt wird, ist zugleich ein weiteres Beispiel dafür, wie sich Innenstädte verändern.

Bereits beim Eigentümerwechsel der Immobilie war davon ausgegangen worden, dass eine erneute klassische Einzelhandelsnutzung der vergleichsweise großen Fläche schwierig werden könnte. Der Fokus verlagerte sich deshalb auf eine gastronomische Nutzung. Dafür war allerdings zunächst eine entsprechende Nutzungsänderung erforderlich.
Das Verfahren nahm einige Zeit in Anspruch. Ein ursprünglich interessierter Betreiber eines indischen Restaurants aus Kleve zog sich während dieser Phase wieder zurück, sodass anschließend erneut nach einem passenden Mieter gesucht werden musste.
Diese Suche ist nun offenbar abgeschlossen.
Innenstadt besteht längst nicht mehr nur aus Einzelhandel
Für die Klever Innenstadt dürfte dabei weniger entscheidend sein, ob an dieser Stelle künftig ein Einzelhandelsgeschäft, ein Restaurant oder ein Dienstleister seine Türen öffnet. Entscheidend ist zunächst einmal, dass eine größere Fläche wieder dauerhaft genutzt wird und ein neuer Anlass entsteht, die Innenstadt zu besuchen.
Denn auch die Zusammensetzung der Innenstadt-Akteure verändert sich zunehmend. Innenstadt besteht längst nicht mehr ausschließlich aus Einzelhandel. Gastronomie und Dienstleistungen nehmen einen immer größeren Stellenwert ein und können Funktionen übernehmen, die weit über den eigentlichen Einkauf hinausgehen.
Für die Akteure vor Ort dürfte daher grundsätzlich jeder zusätzliche Anziehungspunkt willkommen sein, der Menschen in die Innenstadt bringt.
Gerade Gastronomie kann dabei einen besonderen Beitrag leisten. Sie schafft nicht nur zusätzliche Besuchsanlässe, sondern erschließt häufig auch andere Tageszeiten. Während viele Geschäfte am frühen Abend schließen, können Restaurants Menschen noch deutlich länger in der Innenstadt halten oder Gäste überhaupt erst zu späterer Stunde dorthin führen.
Damit können sich die Besuchszeiten der Innenstadt insgesamt verlängern. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Wege zwischen Gastronomie, Handel, Dienstleistungen und weiteren Angeboten. Menschen kommen vielleicht zunächst zum Essen, verbinden den Besuch aber mit einem Einkauf, einer Erledigung oder einem Spaziergang durch die Stadt – oder lernen Bereiche kennen, die bislang außerhalb ihrer üblichen Wege lagen.
Genau dieses Zusammenspiel kann zusätzliche Aufenthaltsqualität schaffen.
Gastronomie als Teil einer vielfältigeren Innenstadt
Die klassische Vorstellung einer Innenstadt, deren Attraktivität nahezu ausschließlich von einer möglichst großen Zahl an Einzelhandelsgeschäften abhängt, greift deshalb zunehmend zu kurz.
Eine lebendige Innenstadt dürfte künftig vielmehr von einer guten Mischung leben: Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistungen, Kultur, Freizeit, Veranstaltungen und öffentlicher Raum ergänzen sich gegenseitig und schaffen unterschiedliche Gründe für einen Besuch.
Dabei geht es nicht darum, gastronomische Angebote gegen den Einzelhandel auszuspielen oder umgekehrt. Im Idealfall profitieren die unterschiedlichen Nutzungen voneinander.
Ein Restaurant, das am Abend Gäste anzieht, kann ebenso zur Wahrnehmung eines Standortes beitragen wie ein Geschäft, das tagsüber Kundenfrequenz erzeugt. Ein Dienstleister wiederum sorgt möglicherweise für regelmäßige Besuche, während Veranstaltungen zusätzliche Spitzen schaffen. Je mehr unterschiedliche Gründe Menschen haben, in die Innenstadt zu kommen und sich dort aufzuhalten, desto stabiler kann dieses Zusammenspiel werden.
Asiatische Auswahl in Kleve bereits beachtlich
Mit dem angekündigten vietnamesischen Konzept wächst gleichzeitig ein gastronomisches Segment weiter, das in Kleve bereits deutlich vertreten ist.
Im engeren Sinne ost- und südostasiatischer Gastronomie finden sich bereits verschiedene Angebote unter anderem rund um Hoffmannallee, Gruftstraße, Opschlag und Flutstraße. Hinzu kommen weitere vietnamesische beziehungsweise asiatisch geprägte Angebote.
In der Diskussion darüber wird allerdings schnell deutlich, wie schwierig schon der Begriff „asiatische Gastronomie“ eigentlich ist. Asien umfasst schließlich sehr viel mehr als chinesische, japanische, thailändische oder vietnamesische Küche. Auch Indien gehört selbstverständlich dazu, Syrien liegt in Asien, Anatolien bildet den asiatischen Teil der Türkei und Georgien befindet sich geografisch im Übergangsbereich zwischen Europa und Asien.
Betrachtet man das gastronomische Angebot entsprechend weiter, ist die Auswahl in Kleve für eine Kreisstadt bereits durchaus beachtlich.
Gleichzeitig sagt die geografische Einordnung wenig darüber aus, wie ähnlich sich einzelne Restaurants tatsächlich sind. Vietnamesische, japanische, chinesische, indische, syrische oder anatolische Küche unterscheiden sich deutlich voneinander. Hinzu kommen unterschiedliche Konzepte, Preisstrukturen, Qualitäten, Atmosphären und Zielgruppen.
Allein daraus, dass bereits mehrere asiatisch geprägte Restaurants bestehen, lässt sich deshalb noch keine unmittelbare Konkurrenzsituation ableiten.
Entscheidend wird das konkrete Konzept
Auch innerhalb einer bestimmten Küche können sich gastronomische Konzepte erheblich unterscheiden. Der eine Betrieb setzt stärker auf schnelle Gerichte, der nächste auf längere Restaurantbesuche, ein weiterer auf authentische Spezialitäten oder eine moderne Interpretation traditioneller Küche.
In der öffentlichen Diskussion über neue gastronomische Angebote zeigt sich regelmäßig, wie unterschiedlich die Erwartungen der Gäste sind. Für manche stehen Authentizität und traditionelle Zubereitung im Vordergrund, andere achten stärker auf Preis, Geschwindigkeit oder eine große Auswahl. Wieder andere entscheiden vor allem nach Atmosphäre, Service oder Lage.
Das gilt übrigens keineswegs nur für asiatische Küche. Selbst bei vermeintlich einfachen Produkten wie Pommes gehen die Meinungen darüber, wo Qualität beginnt und welches Angebot besonders gut ist, bereits weit auseinander.
Geschmack bleibt eben Geschmack.
Deshalb wäre es auch verfrüht, das neue Restaurant bereits vor seiner Eröffnung anhand bestehender Angebote in Kleve zu bewerten. Erst wenn das konkrete Konzept sichtbar wird, lässt sich beurteilen, wie stark es sich tatsächlich von vorhandenen Restaurants unterscheidet.
Am Ende stimmen die Gäste ab
Ob Kleve noch weitere gastronomische Angebote dauerhaft tragen kann, wird deshalb weniger auf dem Papier entschieden als im täglichen Betrieb.
Am Ende stimmen die Kunden und Gäste selbst ab – mit den Füßen und mit dem Portemonnaie.
Sie entscheiden, welche Konzepte angenommen werden, für welche Qualität und Atmosphäre sie wiederkommen und welche Angebote sich dauerhaft etablieren können.
Aus Sicht der Innenstadt ist zunächst einmal entscheidend, dass an einer prominenten Ecke wieder investiert wird, eine größere ehemalige Einzelhandelsfläche einer neuen Nutzung zugeführt wird und dadurch ein weiterer Besuchsanlass entstehen kann.
Und vielleicht liegt genau darin auch ein Teil der zukünftigen Entwicklung unserer Innenstädte: weniger die Frage, welche einzelne Nutzungsform eine Fläche übernimmt, sondern vielmehr, ob sie Menschen anzieht, Aufenthaltsdauer schafft und das Umfeld belebt.
Wenn ein neues gastronomisches Angebot dazu beiträgt, zusätzliche Frequenz zu erzeugen, die Besuchszeiten der Innenstadt auszuweiten und gleichzeitig einen bislang eher zurückhaltend wahrgenommenen Bereich wie die Gasthausstraße stärker ins Bewusstsein zu rücken, können davon am Ende viele Innenstadt-Akteure profitieren.
Denn Innenstadt wird zunehmend zu einem Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Angebote – und je mehr gute Gründe es gibt, nach Kleve zu kommen, dort zu bleiben und vielleicht noch eine Straße weiterzugehen, desto besser für die gesamte Klever Innenstadt.
*Die Bilder wurden farblich optimiert, der an der Fassade aufgehangene Schwan (hängt ganzjährig aktuell) leuchtet sonst nicht.




