Dienstag, März 10, 2026
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„Pulcinella“ – ein Fachgeschäft-Kleinod in Kleve (das es heute nicht mehr gibt)

KLEVE. (Foto & Text: STADT-IO (Archiv)) | An der Hopfensackstege 6, nur 29 Schritte von der Kavarinerstraße entfernt, befand sich einst ein Laden, der in Kleve vielen als stilles Kleinod galt. Der folgende Rückblick nimmt Bezug auf einen Text, der im November 2009 entstanden ist (KLE-Point Monatszeitung) – und der heute wie ein Zeitdokument wirkt: Denn das Fachgeschäft „Pulcinella“ (eröffnet 1997) ist längst geschlossen, und selbst in den kleinsten Nebenstraßen der Klever Innenstadt sind solche Entdeckungen inzwischen selten geworden.

KLEVE. In den Anfangsjahren des regionalen Onlineportals „KLE-Point“ wurde die Klever Innenstadt aufmerksam beobachtet – nicht nur die großen Lagen, sondern auch die kleinen Abzweige. Ein unscheinbares, aber einprägsames Schild am Eingang der Hopfensackstege wies damals den Weg: „Pulcinella – 29 Schritte“. Wer ihm folgte, landete in einem Fachgeschäft, das sich bewusst vom üblichen Innenstadtbild abhob: Handarbeiten statt Trendware, Wärme statt Durchlauf, Beratung statt Selbstbedienung.

Im „Pulcinella“ gab es Sommer- und Wintergarne, Wolle, Knöpfe, Decken und Stickdecken – und eine Einrichtung, die eher an ein Wohnzimmer erinnerte als an Verkaufsfläche. Besonders prägend war die „Strickecke“: eine kleine Couch, Sessel, ein niedriger Tisch. Sie stand sinnbildlich für das, was Fachhandel damals oft zusätzlich bot: Zeit, Geduld und Hilfe. Wer eine Masche verlor, bekam Unterstützung. Wer nicht weiterkam, wurde nicht stehen gelassen. Der Laden war nicht nur Verkaufsort, sondern auch Anlaufstelle.

FOTO: ehem. Handarbeitsgeschäft Pulcinella in Kleve
FOTO: ehem. Handarbeitsgeschäft Pulcinella in Kleve

Schon 2009 wurde im Text beschrieben, dass auch dieser Bereich vom Internet erreicht worden war – jedoch mit einer Gegenrealität, die sich nicht in Warenkörben ausdrücken ließ. Das schnelle Nachkaufen „noch eben“, Preise, die nicht selten näher am Online-Niveau lagen als vermutet, und vor allem das Wissen vor Ort: Omas strickten für Enkelkinder, Jüngere probierten verrückte Mützen und Stulpen, und früher gab es sogar feste Strickrunden mit Kaffee in der Mitte und gemeinsamen Treffen darüber hinaus.

Aus heutiger Perspektive bekommt dieser Blick eine zweite Ebene. Denn „Pulcinella“ existiert nicht mehr – und mit ihm ist ein Stück jener Nebenstraßen-Atmosphäre verschwunden, die früher überraschend lebendig war. Was damals „29 Schritte“ in ein Kleinod bedeutete, führt heute vielerorts an geschlossenen Türen, Austauschflächen oder austauschbaren Konzepten vorbei. In den kleinen Seitenstraßen der Klever Innenstadt sind echte Fachgeschäft-Kleinode mittlerweile kaum noch zu finden.

Der Rückblick von 2009 liest sich deshalb nicht nur als Ladenporträt, sondern als Hinweis darauf, was Innenstädte einmal zusätzlich ausmachte: Orte, an denen man nicht nur Ware bekam, sondern auch Rat, Kontakt und ein Stück Alltag. Und als leise Mahnung, dass sich zum Fachkräftemangel irgendwann auch ein Fachhandelsmangel gesellen kann – wenn die letzten „29 Schritte“ nicht mehr in einen Laden führen, sondern ins Leere.

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