Samstag, Februar 14, 2026
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Unternehmerfrühstück der Kreis-WfG – KI = Kein Impuls?

KLEVE. Kleve wollte beim Unternehmerfrühstück der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve GmbH über Künstliche Intelligenz sprechen – und bekam vor allem eines serviert: ein gemütliches Format, das Networking verspricht, in der Substanz aber zu oft wie eine Dauerwerbesendung wirkt. Wer als Unternehmerin oder Unternehmer morgens in die Stadthalle kommt, investiert Zeit mit der Erwartung, greifbare Orientierung mitzunehmen: Was ist KI wirklich – und was ist nur „mehr Daten und mehr Sensoren“? Wo beginnt man im Betrieb, ohne sich zu verzetteln? Welche konkreten Schritte lohnen sich in Handwerk, Handel oder Dienstleistung?

Das Thema hätte dafür reichlich Stoff geboten. Gerade weil im Alltag vieler Betriebe bereits „smarte“ Systeme stehen, die aber keine KI sind: komplexe Software mit vielen Sensoren, Regeln, Kennzahlen und Automatismen – leistungsfähig, aber nicht lernend. Diese Unterscheidung ist zentral, weil sie Investitionsentscheidungen beeinflusst: Brauche ich ein trainiertes Modell, Datenstrategie und klare Use-Cases – oder reicht bessere Prozesslogik, Schnittstellen, saubere Stammdatenpflege? Genau diese Einordnung entscheidet darüber, ob Unternehmen handlungsfähig werden oder im Buzzword-Nebel stehen bleiben.

Stattdessen gerät die Veranstaltung in eine vertraute Dramaturgie, die man aus vielen regionalen Reihen kennt: Begrüßung, Standortlob, Institutionsdarstellung, Serviceportfolio, dann ein thematischer Block, der zwar korrekt und nicht falsch ist, aber auf einem Niveau bleibt, das bei einem Saal voller Praktiker schnell nach Pflichtprogramm klingt. Das gilt umso mehr, wenn ein relevanter Teil der Zeit dafür genutzt wird, die eigene Arbeit von Stadt und Wirtschaftsförderung sichtbar zu machen – stärker als das Thema selbst und stärker als die drängenden Fragen der Betriebe.

Natürlich: Austausch ist wichtig. Und selbstverständlich dürfen Wirtschaftsförderung und Kommune erklären, was sie anbieten. Doch wenn ein „Unternehmerfrühstück“ zur regelmäßig wiederkehrenden Tour durch die 16 Kommunen wird, darf man kritisch fragen, für wen es am Ende den größeren Nutzen stiftet: Für die anwesenden Unternehmen – oder für die Institutionen, die damit ihre Präsenz und ihr Dasein bestätigen? Networking allein ersetzt keine Orientierung, und ein wohltemperiertes Format ersetzt keine Strategie.

Gerade beim KI-Thema reicht es nicht, allgemeine Hinweise zu geben wie „Mitarbeiter schulen“, „Datenschutz beachten“ oder „Zeitfresser identifizieren“. Das ist richtig – aber erwartbar. Was fehlt, ist das, was Unternehmerinnen und Unternehmer wirklich weiterbringt: klare Entscheidungspfade (KI vs. klassische Automatisierung), realistische Einstiegsszenarien, Kosten-/Nutzen-Logik, typische Stolperfallen (Datenqualität, Haftung, Prozessverantwortung), konkrete regionale Unterstützungsangebote mit messbaren Ergebnissen – und vor allem ein Plan, wie man Betriebe nicht nur informiert, sondern in Umsetzung bringt.

Am Ende bleibt der Eindruck: nett, gut besucht, gute Gespräche am Rand – aber in der Mitte zu wenig Substanz und zu viel Selbstdarstellung. Und genau hier liegt der Auftrag an Stadt und Wirtschaftsförderung: Raus aus dem jährlich identisch wiederholten Trott, weg vom Ritualcharakter, hin zu deutlich aktiver, richtungsweisender Arbeit im eigenen Verantwortungsbereich. Wer Wirtschaft fördern will, muss mehr liefern als Frühstück und Folien – nämlich spürbare Impulse, die Betriebe konkret stärker machen.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der gerade in diesen Monaten nicht ausgeblendet werden kann: sinkende kommunale Einnahmen, wachsende Pflichtaufgaben und vielerorts belastete bis defizitäre Haushalte. In dieser Lage erleben Bürgerinnen und Bürger wie auch Vereine und Initiativen, dass Kommunen bei „freiwilligen Leistungen“ oft erstaunlich schnell sparen, streichen oder auf später verschieben. Umso konsequenter müsste der gleiche Maßstab auch bei Strukturen gelten, die von allen Kommunen gemeinsam getragen werden – wie der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve GmbH. Wenn sämtliche Städte und Gemeinden Mitglied sind, dann gehört eine ehrliche Gegenüberstellung von Kostenposition und nachweisbarer Wirkung zwingend dazu: Ist das am Ende ein belegbares Plusgeschäft, das Unternehmen konkret messbar stärkt – oder eher ein Dachkonstrukt, das vor allem dadurch glänzt, dass sein bloßes Dasein selten grundsätzlich hinterfragt wird, weil niemand eine Handhabe sehen möchte? Auch hier sollte der Mut zur kritischen Prüfung selbstverständlich sein – gerade dann, wenn man ernsthaft beansprucht, im Kern „Wirtschaft zu fördern“ und nicht nur Formate zu verwalten.

Und diese kritische Lesart ist keineswegs nur eine Einzelmeinung aus dem Bauch heraus: Im Nachgang der Veranstaltung wurden rund 15 Teilnehmende gezielt gefragt, ob sie für sich persönlich substanziellen Wert mitgenommen haben – im Sinne von konkreten, zeitnah umsetzbaren Ansätzen und einem messbaren Mehrwert für die nächsten Wochen. Das Stimmungsbild fiel dabei auffällig nüchtern aus: Ein klarer, unmittelbar praktischer Nutzen wurde – wenn überhaupt – nur in kleinen Anteilen gesehen. Genau solche Rückmeldungen sollten ernst genommen werden, weil sie den Kernauftrag berühren: Nicht gute Absichten und volle Reihen sind der Maßstab, sondern ob aus solchen Formaten tatsächlich greifbare Wirkung entsteht.

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