GOCH. (Text: STADT-IO) | Immer wieder erhalten Unternehmen Anrufe mit dem Angebot, Werbeflächen auf Fahrzeugen zu erwerben, die anschließend sozialen Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen oder Vereinen zur Verfügung gestellt werden sollen. Ein solches Telefonat sorgte nun auch im Raum Goch für Verwunderung.
Nach Angaben des Angerufenen stellte sich die anrufende Person zunächst als Ansprechpartner „für das Autohaus Van Aal“ vor. Auf Nachfrage entstand zunächst der Eindruck, der Anruf erfolge direkt im Namen des Autohauses. Erst nach weiterer kritischer Nachfrage wurde erläutert, dass das Unternehmen selbst nicht das Autohaus sei, sondern die Werbeflächen für ein entsprechendes Fahrzeug vermarkte. Einen konkreten Firmennamen wollte die Anruferin beziehungsweise der Anrufer trotz mehrfacher Nachfrage nicht nennen.
Auch die Frage, welcher Kindergarten, welche Schule oder welche andere Einrichtung das Fahrzeug konkret erhalten solle, blieb unbeantwortet. Stattdessen wurde lediglich allgemein auf einen späteren sozialen Verwendungszweck verwiesen.
Erschwerend kam hinzu, dass der Anruf von einer Mobilfunknummer erfolgte, sodass für den Angerufenen keine unmittelbare Zuordnung des Unternehmens möglich war.
Grundsätzlich ist das Geschäftsmodell nicht neu: Spezialisierte Vermarktungsunternehmen gewinnen Werbepartner, finanzieren hierdurch Fahrzeuge und stellen diese anschließend sozialen Einrichtungen oder gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung. Für die beteiligten Einrichtungen kann dies durchaus einen Mehrwert darstellen, da sie oftmals ein Fahrzeug erhalten, das sie sich andernfalls möglicherweise nicht leisten könnten.
Dennoch stellt sich regelmäßig die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Branchenkenner weisen seit Jahren darauf hin, dass die insgesamt vereinnahmten Werbeerlöse häufig deutlich über dem eigentlichen Fahrzeugwert liegen können. Selbstverständlich müssen Akquise, Verwaltung, Gestaltung, Produktion und das unternehmerische Risiko finanziert werden. Dennoch darf kritisch hinterfragt werden, ob das Verhältnis zwischen den Gesamtkosten für die Werbepartner und dem tatsächlichen Gegenwert in jedem Einzelfall angemessen ist.
Ebenso stehen die beteiligten Autohäuser in einer gewissen Mitverantwortung. Zwar liegt ihr Interesse nachvollziehbarerweise im Verkauf eines Fahrzeugs, dennoch könnte auch für sie die Frage eine Rolle spielen, ob das Gesamtmodell für die werbenden Unternehmen wirtschaftlich ausgewogen und transparent gestaltet ist.
Für Unternehmen gilt daher: Wer einen solchen Anruf erhält, sollte sich den vollständigen Firmennamen nennen lassen, sich die Kontaktdaten schriftlich geben lassen und vor einer Entscheidung genau prüfen, welche Leistungen erbracht werden, welche Einrichtung tatsächlich profitiert und wie sich die Gesamtkosten zusammensetzen.
Nicht jedes Angebot dieser Art ist unseriös – Transparenz sollte jedoch bereits beim ersten Telefonkontakt selbstverständlich sein. Wenn grundlegende Fragen zum Unternehmen oder zum konkreten Projekt unbeantwortet bleiben, ist eine gesunde Portion Zurückhaltung sicherlich angebracht.




