KLEVE./ÜBERALL. Die Innenstädte befinden sich im konsequenten Umbau – weg vom lebendigen Marktplatz hin zur begehbaren Leerstandsausstellung. Fachhändler, Spezialgeschäfte und all jene Läden, die man nicht „auch online bei drei Klicks“ bekommt, verabschieden sich leise, effizient und endgültig. Übrig bleibt der Filialistenstandard, der deutschlandweit so vertraut ist, dass man beim Stadtwechsel nicht mehr merkt, ob man angekommen oder nur falsch abgebogen ist. Wäre „Zu vermieten“ ein Filialist, er wäre Marktführer – seine Schilder hängen bereits an mehr Fassaden als jede Modemarke es je geschafft hat.
Natürlich ist das alles sehr überraschend. Schließlich kaufen Kunden weiterhin preisbewusst, bequem, rund um die Uhr und mit kostenlosem Rückversand – und wundern sich dann, warum es vor Ort irgendwann nur noch Bäckerei, Handyshop und Leerstand gibt. Die Sortimentsbreite stirbt nicht über Nacht, sie wird stückweise abgewählt. Jeder Klick ist eine kleine Abstimmung, welche Vielfalt man nicht mehr braucht. Verantwortung? Ja, aber bitte diskret – am liebsten im Nachhinein, wenn man nostalgisch über „früher“ spricht.
Gleichzeitig haben es viele Händler auch geschafft, sich dem Wettbewerb mit bemerkenswerter Konsequenz nicht zu stellen. Digitalisierung wurde als vorübergehende Mode betrachtet, Sichtbarkeit als optionales Extra und Online-Präsenz als etwas, das „die Großen“ machen. Das Ergebnis: Geschäfte, die physisch existieren, aber digital unsichtbar sind – und deren Waren so gut versteckt scheinen, dass selbst interessierte Kunden sie nicht finden. Der Komfortabstand zum Internet ist inzwischen so groß, dass Aufholen allein kaum noch möglich ist.
Bleibt also festzuhalten: Die Innenstadt stirbt nicht – sie vermietet sich neu. Und während alle Beteiligten sich gegenseitig erklären, warum es leider nicht anders ging, hängt draußen schon das nächste Schild. In bester Lage.




