Foto: Freiwillige Feuerwehr der Stadt Goch

GOCH. Der Großeinsatz der Feuerwehr Goch am Höster Weg ist beendet. Das Feuer war gestern (12.8.22) gegen 15.30 Uhr an der Halle eines Großhändlers für Blumen- und Gartenprodukte ausgebrochen. Insgesamt haben die Löscharbeiten knapp 19 Stunden gedauert. Zwei 46 und 36 Jahre alte Einsatzkräfte der Feuerwehr Goch haben während der Löscharbeiten unter anderem Brandverletzungen an Gesicht und Händen erlitten und wurden mit Rettungshubschraubern in Spezialkliniken geflogen. Der 36-jährige hat leichtere Verletzungen erlitten. Er bleibt zur Beobachtung nach jetzigem Kenntnisstand noch übers Wochenende im Krankenhaus. Über den Gesundheitszustand des 46-Jährigen liegen der Feuerwehr keine gesicherten Kenntnisse vor. Wir hoffen sehr, dass beide bald wieder unter uns sind und schnell gesund werden.

Aufgrund der extremen Rauchentwicklung hat die Feuerwehr gestern frühzeitig eine Bevölkerungswarnung ausgesprochen und unter anderem über die WarnApp NINA veröffentlicht. Im weiteren Verlauf wurde auch vor kontaminiertem Löschwasser gewarnt, das womöglich in der ersten Einsatzphase über die Kanalisation in die Niers gelangt ist. Später war der Kanal abgeschiebert, das Löschwasser wurde aufgefangen und abgepumpt.

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Die Bevölkerung soll vorerst nicht in der Niers baden, keine Tiere daraus trinken lassen oder das Wasser anderweitig verwenden. Diese Warnung bleibt bestehen, bis die Analyse der entnommenen Wasserproben abgeschlossen ist. Damit ist nicht vor Mitte der kommenden Woche zu rechnen. Die Bevölkerungswarnung vor den Rauchgasen konnte dagegen bereits am Abend wieder zurückgenommen werden. Die Bundesstraße 67 in Höhe der Einsatzstelle sowie die Bahnstrecke zwischen Goch und Weeze waren für mehrere Stunden voll gesperrt.

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Die Polizei hat Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen, der Brandort wurde beschlagnahmt. Der entstandene Sachschaden wird vorläufig mit 1,5 Million Euro angegeben. Das Gebäude ist völlig zerstört und einsturzgefährdet. Mehrere auf dem Gelände abgestellte Fahrzeuge, unter anderem ein Sattelauflieger, wurden ebenfalls zerstört.

Zum Zeitpunkt des Brandes befand sich niemand auf dem Firmengelände. Das Tor dazu war verschlossen. Zunächst brannte es von der Bundesstraße aus gesehen im linken hinteren Bereich des Grundstücks, dort waren unmittelbar neben der Halle große Mengen an Paletten gelagert. Die Flammen schlugen durch ein Tor in die Halle ein. In diesem Bereich waren große Mengen Düngemittel in unterschiedlichen Verpackungen gelagert. Von hier aus breitete sich das Feuer extrem schnell auf die gesamte Halle aus. Es kam nur Minuten nach Eintreffen der ersten Kräfte zu einer massiven Rauchgasdurchzündung, in deren Folge die beiden Einsatzkräfte ihre Verletzungen davongetragen hatten. Sie waren als Angriffstrupp unter schwerem Atemschutz auf der rechten Gebäudeseite eingesetzt. Einer der beiden wurde durch die Druckwelle gegen ein auf dem Gelände abgestelltes Fahrzeug geschleudert und von Trümmerteilen getroffen. Im weiteren Einsatzverlauf erlitt ein weiterer Feuerwehrmann eine Schnittverletzung im Finger und mehrere Einsatzkräfte mussten kurzzeitig aufgrund von Kreislaufproblemen behandelt werden. Sie konnten ihre Tätigkeit jedoch alle wieder aufnehmen.

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Zwei Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr Goch, ein Hilfeleistungslöschfahrzeug der Löschzüge Stadtmitte und die Drehleiter, wurden durch die Durchzündung beschädigt: Plastikteile schmolzen aufgrund der extreme Hitze. Beide Fahrzeuge sind jedoch weiterhin einsatzbereit.

Stadtbrandinspektor Stefan Bömler ließ sofort sämtliche Einheiten der Feuerwehr Goch alarmieren, auch die Feuerwehr Weeze rückte mit 40 Kräften zur Unterstützung an. In der Spitze waren 200 Einsatzkräfte aller beteiligten Organisationen vor Ort.

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Es wurden drei Einsatzabschnitte gebildet. Nach der Durchzündung stand fest, dass die Halle nicht zu halten ist. Daher war es das Ziel, eine Brandausbreitung auf benachbarte Gebäude sowie auf die Vegetation im Bereich der Bahnschienen zu verhindern. Dies gelang. Im weiteren Verlauf wurde das unterkellerte Gebäude so weit wie möglich mit Löschschaum geflutet. Mit einem Radlader und einem Bagger konnte Brandschutt im hinteren linken Bereich des Grundstücks so weit auseinandergezogen werden, dass auch hier ein nachhaltiger Löscherfolg erzielt wurde. Nach 7 Stunden wurde „Feuer Aus“ gemeldet, Nachlöscharbeiten einzelner Glutnester zogen sich jedoch noch weitere 12 Stunden hin.

Foto: Freiwillige Feuerwehr der Stadt Goch

Neben den Feuerwehren aus Goch und Weeze waren weitere Organisationen und Funktionen an dem Einsatz beteiligt:

Kreisbrandmeister Reiner Gilles, der stellvertretende Bezirksbrandmeister Rainer Höckels, die allgemeine Vertreterin der Landrätin, Zandra Boxnick und Bürgermeister Ulrich Knickrehm unterstützten die Einsatzleitung. Das DRK Goch sorgte für die Versorgung der Einsatzkräfte. Die Feuerwehr des Kreises Wesel entsandte im Rahmen des ABC-Schutzkonzeptes NRW eine Mess-Einheit, sie kümmerte sich gemeinsam mit dem LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz) sowie mit der Unteren Wasserbehörde des Kreises Kleve um die Gefahrenbeurteilung durch Rauchgas und kontaminiertes Löschwasser. Die MANV-Gruppe des Kreises Kleve (MANV = Massenanfall von Verletzten) richtete gemeinsam mit dem Rettungsdienst vorsorglich einen Behandlungsplatz ein, um mehrere Verletzte im Bedarfsfall behandeln zu können. Die Abrollbehälter Schlauch, Atemschutz und Schaum des Kreises Kleve waren ebenfalls vor Ort. Die DLRG unterstützte mit ihrer Drohne, in der eine Wärmebildkamera verbaut ist. Zwei Kameraden der Bundeswehr-Feuerwehr kamen zufällig an der Einsatzstelle vorbei und boten spontan ihre Hilfe an. Ihnen sowie allen beteiligten Kräften und Organisationen gebührt der Dank der Feuerwehr Goch für die wertvolle Unterstützung.

Bedanken möchte sich die Feuerwehr ebenso bei vielen Bürgerinnen und Bürgern, die uns unter anderem mit Getränken versorgt haben. Die große Hitze durch Brand und Wetter war vor allem für unsere Atemschutztrupps sehr belastend. Dass so schnell so viele Getränke zur Verfügung gestellt wurden, hat sehr geholfen. Zudem haben uns auf allen Kanälen unzählige Genesungswünsche für unsere verletzten Kameraden erreicht. Auch hierfür vielen herzlichen Dank.